Fünf Fragen an Susanne Stein von SUZ Berlin
Sawade: Wie bist Du zur Hutmacherei gekommen – und was hat Dich dazu bewogen, ausgerechnet
mit Stroh zu arbeiten?
Susanne: Ich habe mich schon immer für Textilien begeistert. So bin ich Anfang der 2000er in Berlin bei einer Hutmacherin gelandet. Erst als Praktikum, später habe ich dort meine Ausbildung gemacht. Die Verarbeitung von Strohborten habe ich während meiner Ausbildung gelernt. Das war ein großes Geschenk, da diese Technik heute kaum noch praktiziert wird. Und meine Liebe zu Italien hat den Rest getan. Auf meinen Reisen habe ich immer meine Strohhüte getragen, da war eigentlich schon die Idee geboren. Das war vor ca. 10 Jahren.
Sawade: Stroh wirkt zunächst schlicht, doch Deine Entwürfe zeigen eine bemerkenswerte Formensprache. Wieso arbeitest du so gerne mit Stroh?
Susanne: Die Verarbeitung von Strohborten gibt mir die Möglichkeit, völlig frei in Form und Größe zu arbeiten. Ich liebe die Textur und die Linien der Oberfläche, wenn sich die einzelnen, schmalen Borten zu einem Ganzen verbinden.
Sawade: Wie verläuft Dein Schaffensprozess – von der ersten Idee bis zum fertigen Hut? Wo liegt für Dich das Zusammenspiel von Intuition und präzisem Handwerk?
Susanne: Ich arbeite nicht mit Zeichnungen. Eher denke ich in architektonischen Formen und versuche,
diese Gedanken in einen Hut zu übersetzen. In meinem Atelier gibt es viele angefangene Formen aus Stroh. Ich baue sie weiter, setze sie auf, schaue im Spiegel, ob der Entwurf tragfähig ist. Das ist ein sehr intuitiver Prozess. In der Umsetzung achte ich dann auf absolute handwerkliche Präzision.
Sawade: Deine Werke wirken leicht und selbstverständlich, erfordern jedoch große Sorgfalt. Wie gelingt es Dir, kreative Freiheit mit der Disziplin und Detailtiefe handwerklicher Arbeit in Einklang zu bringen?
Susanne: Ich liebe meinen Beruf und das Handwerk, deswegen ist es mir sehr wichtig hier präzise zu sein. Ich kann gar nicht anders. Mir ist es wichtig, ein qualitativ hochwertiges Produkt zu schaffen und die Möglichkeiten dieses Handwerks voll auszuschöpfen und in moderne Formen zu übersetzen.
Sawade: Warum Berlin? Welche Rolle spielt die Stadt für Deine kreative Arbeit und Perspektive?
Susanne: Ich entwerfe Hüte für urbane Menschen, die sich gerne gut kleiden, aber auch einfach in Jeans vor die Tür gehen. Mein Ziel ist es, Hüte zu schaffen, die genauso flexibel sind.