Susanne Stein vor einer mit Hüten behangenen Wand.

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Sawade Studio Visit:
SUZ Berlin

Bei unserem vierten Studio Visit steht ein Material im Mittelpunkt, das auf den ersten Blick unscheinbar wirkt: Stroh. 
Bei 
SUZ Berlin entstehen daraus Hüte, die mehr sind als Accessoire. Sie sind Formstudien, textile Skulpturen, tragbare Objekte – entwickelt mit einem feinen Gespür für Proportion, Oberfläche und Bewegung. Susanne Stein, Gründerin von SUZ Berlin, gewährt uns Einblicke in ihre kreative Welt.

Im Atelier von SUZ Berlin ist alles in Bewegung. Formen wachsen, verändern sich, werden aufgesetzt, betrachtet, verworfen und weiterentwickelt. Der Prozess ist offen, fast tastend – und gleichzeitig getragen von einem tiefen handwerklichen Wissen.

Hutkreationen an der Atelierwand von Susanne Stein.
Nahaufnahme vom Anbringen eines Hutbandes.
Zu sehen sind Arbeitsmaterialien von Susanne Stein.

In Susanne Steins Arbeit verbindet sich die Freiheit der Idee mit der Präzision des Handwerks. Aus schmalen Strohborten lässt die gelernte Modistin einzigartige Stücke entstehen, die leicht wirken, aber eine klare Haltung haben – reduziert, modern und zugleich verwurzelt in einer Technik, die heute nur noch selten praktiziert wird.

Zu sehen ist die Nähmaschine der Firma Grossmann mit der Susanne Stein ihre Objekte näht.
Susanne Stein näht einen Strohhut an ihrer Nähmaschine.

Präzisionsarbeit: Jeder Hut wird an der Nähmaschine frei aus der Hand gefertigt.

"Ich stelle mir vor, dass Menschen zu jedem Outfit und jedem Anlass Hut tragen und dabei spüren, dass sie mit einem Hut im wahrsten Sinne des Wortes gut behütet sind.”

Fünf Fragen an Susanne Stein von SUZ Berlin

Sawade: Wie bist Du zur Hutmacherei gekommen – und was hat Dich dazu bewogen, ausgerechnet mit Stroh zu arbeiten?

Susanne: Ich habe mich schon immer für Textilien begeistert. So bin ich Anfang der 2000er in Berlin bei einer Hutmacherin gelandet. Erst als Praktikum, später habe ich dort meine Ausbildung gemacht. Die Verarbeitung von Strohborten habe ich während meiner Ausbildung gelernt. Das war ein großes Geschenk, da diese Technik heute kaum noch praktiziert wird. Und meine Liebe zu Italien hat den Rest getan. Auf meinen Reisen habe ich immer meine Strohhüte getragen, da war eigentlich schon die Idee geboren. Das war vor ca. 10 Jahren.

Sawade: Stroh wirkt zunächst schlicht, doch Deine Entwürfe zeigen eine bemerkenswerte Formensprache. Wieso arbeitest du so gerne mit Stroh?

Susanne: Die Verarbeitung von Strohborten gibt mir die Möglichkeit, völlig frei in Form und Größe zu arbeiten. Ich liebe die Textur und die Linien der Oberfläche, wenn sich die einzelnen, schmalen Borten zu einem Ganzen verbinden.

Sawade: Wie verläuft Dein Schaffensprozess – von der ersten Idee bis zum fertigen Hut? Wo liegt für Dich das Zusammenspiel von Intuition und präzisem Handwerk?

Susanne: Ich arbeite nicht mit Zeichnungen. Eher denke ich in architektonischen Formen und versuche, diese Gedanken in einen Hut zu übersetzen. In meinem Atelier gibt es viele angefangene Formen aus Stroh. Ich baue sie weiter, setze sie auf, schaue im Spiegel, ob der Entwurf tragfähig ist. Das ist ein sehr intuitiver Prozess. In der Umsetzung achte ich dann auf absolute handwerkliche Präzision.

Sawade: Deine Werke wirken leicht und selbstverständlich, erfordern jedoch große Sorgfalt. Wie gelingt es Dir, kreative Freiheit mit der Disziplin und Detailtiefe handwerklicher Arbeit in Einklang zu bringen?

Susanne: Ich liebe meinen Beruf und das Handwerk, deswegen ist es mir sehr wichtig hier präzise zu sein. Ich kann gar nicht anders. Mir ist es wichtig, ein qualitativ hochwertiges Produkt zu schaffen und die Möglichkeiten dieses Handwerks voll auszuschöpfen und in moderne Formen zu übersetzen.

Sawade: Warum Berlin? Welche Rolle spielt die Stadt für Deine kreative Arbeit und Perspektive?

Susanne: Ich entwerfe Hüte für urbane Menschen, die sich gerne gut kleiden, aber auch einfach in Jeans vor die Tür gehen. Mein Ziel ist es, Hüte zu schaffen, die genauso flexibel sind.

Susanne Stein sitzt in ihrem Atelier, blickt in die Kamera und stützt sich auf ihren Schreibtisch auf.

Über die Künstlerin

SUZ Berlin ist das Label der Berliner Modistin Susanne Stein, die Anfang der 2000er Jahre über ein Praktikum in die Hutmacherei fand. Ihre Entwürfe entstehen in einem intuitiven Prozess in ihrem Atelier in Berlin Kreuzberg. Ziel ist es, traditionelle Techniken in eine zeitgemäße Form zu übersetzen – in Hüte, die sich mühelos in den Alltag einer modernen, urbanen Garderobe einfügen. Berlin spielt dabei eine zentrale Rolle: als Lebensraum, als kultureller Kontext und als Ausgangspunkt für eine Gestaltung, die zwischen Lässigkeit und Anspruch balanciert.
Susanne Steins Hüte sind weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannt und gefragt. Ihr Wissen gibt sie als Dozentin u.a. an der Kunsthochschule Berlin-Weißensee weiter.

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