Fünf Fragen an Antonia Bernhardt von Oni Studio
Sawade: Deine aktuelle Kollektion beschreibst du als „Sculptural Silver – inspired by nature, shaped by feelings". Welche Rolle spielen Natur, Emotionen und persönliche Beobachtungen in Deinem gestalterischen Prozess?
Antonia: Alles, was mich umgibt, löst etwas in mir aus – eine Beobachtung in der Natur, ein Gefühl, sogar ein Geräusch oder Musik. In meiner aktuellen Kollektion habe ich mich stark von der griechischen Mythologie und von Meeres-Elementen inspirieren lassen. Für mich fühlt sich diese Kollektion an wie ein Über-mich-Hinauswachsen: Ich habe versucht, mich komplett frei zu machen und die Menschen spüren diese Freiheit und Ehrlichkeit.
Sawade: Wie entsteht bei Oni Studio ein neues Schmuckstück – von der ersten Idee bis zur fertigen Kleinserie? Wo treffen dabei Intuition, Formgefühl und handwerkliche Präzision aufeinander?
Antonia: Das genaue Bild entsteht oft erst im Prozess. Meine Intuition leitet mich, das Formgefühl ist einfach da – und die handwerkliche Präzision entwickelt sich dabei, besonders wenn es technisch oder mechanisch wird: dann muss ich ausprobieren. Wenn ein Stück fertig entwickelt ist, geht es zur Kleinserie – zu meiner Partnerwerkstatt in Pforzheim, die für die perfekte Ausführung sorgt.
Sawade: Deine Schmuckstücke wirken klar, reduziert und mühelos tragbar, gleichzeitig steckt viel Aufmerksamkeit im Detail. Wie findest Du die Balance zwischen skulpturalem Ausdruck, Komfort und langlebigem Design?
Antonia: Ich arbeite reduziert, weil jedes Detail, das bleibt, eine bewusste Entscheidung ist. Tragbarkeit und Langlebigkeit sind für mich genauso Teil des Designs wie die skulpturale Form selbst – alles geht Hand in Hand. Was nicht gerne getragen wird, weil der Komfort nicht stimmt, ist kein gutes Design.
Sawade: Nachhaltigkeit und verantwortungsvolle Produktion sind feste Bestandteile von Oni Studio. Warum ist Dir die enge Zusammenarbeit mit den deutschen Fertigungsbetrieben sowie der Einsatz von recycelten und verantwortungsvoll bezogenen Materialien so wichtig?
Antonia: Den Begriff „Nachhaltigkeit" verwende ich bewusst zurückhaltend, weil er heute oft mehr verspricht, als er hält – mir ist es lieber, konkret zu sagen, was stimmt, als ein Label draufzukleben. Unser Silber und Gold stammen größtenteils aus recycelten Quellen oder von RJC-geprüften Betrieben – am Ende möchte ich keine schnellen Trends bedienen, sondern Stücke schaffen, die einen ein Leben lang begleiten.
Sawade: Dein Studio befindet sich in unmittelbarer Nähe des Alexanderplatzes, eines der pulsierenden Zentren Berlins. Welche Rolle spielt die Stadt für Deine Arbeit als Designerin und Unternehmerin – und wie prägt sie die Haltung von Oni Studio?
Antonia: Berlin ist direkt, ungeschönt, und lässt vieles nebeneinander existieren ohne es aufzulösen. Genau das mag ich auch rund um den Alexanderplatz: Plattenbau neben Historischem, Härte neben Weichheit. Diese Ambivalenz finde ich spannend – und sie spiegelt sich in der Klarheit und gleichzeitigen Lebendigkeit meiner Stücke wider.