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Sawade Studio Visit:
Cakes Berlin

In der dritten Episode unserer Studio Visits besuchen wir ein Atelier, das eher an ein Künstlerstudio erinnert als an eine klassische Konditorei. Hinter Cakes Berlin steht die französisch-israelische Künstlerin Stephanie Illouz, die hier gemeinsam mit ihrem Team Torten erschafft, die sich zwischen Skulptur, Designobjekt und Dessert bewegen.

Wer das Studio in Berlin Kreuzberg betritt, merkt schnell: Hier geht es nicht nur ums Backen. Farben, Formen und Texturen spielen eine genauso große Rolle wie Geschmack. Jede Torte ist ein kleines Kunstwerk.

Stephanie Illouz, Gründerin von Cakes Berlin stammt ursprünglich aus der Welt der bildenden Kunst und des Requisitenbaus. Als sie für ein Projekt begann, essbare Dekorationen zu gestalten, entdeckte sie dabei ihr neues Medium. Kuchen sind für sie schlicht: essbare Kunst.

Seit 2015 hat sich Cakes Berlin zu einem der bekanntesten Studios für individuelle Torten in der Stadt entwickelt. Das Team besteht aus Kreativen mit unterschiedlichen Hintergründen – gemeinsam verwandeln sie das Studio in eine Art Spielplatz für Ideen, auf dem ständig neue Kombinationen aus Farben, Texturen und Aromen ausprobiert werden.

„For me creativity is really a way of thinking. The 'playground' idea comes from the mindset that we allow ourselves to experiment – whether it’s trying new designs or seasonal flavors.“


Fünf Fragen an Stephanie Illouz

Sawade: Wenn man dein Studio betritt, fühlt es sich eher wie das Atelier einer Künstlerin als wie eine klassische Backstube an. Erinnerst du dich an den Moment, in dem dir klar wurde, dass Kuchen dein neues künstlerisches Medium werden könnten – essbare Kunst statt Bühnenrequisiten?

Stephanie: Ich bin nicht auf klassischem Weg zum Backen gekommen. Mein Hintergrund liegt in der bildenden Kunst – ich habe lange gezeichnet, gemalt und Skizzenbücher gefüllt, bevor ich professionell zu backen begann. Dinge mit den Händen zu erschaffen war immer mein Ausgangspunkt.
Nachdem ich nach Berlin gezogen bin und als Requisitendesignerin arbeitete, durften wir für ein Projekt essbare Requisiten herstellen. Die Idee, Lebensmittel wie Skulpturen zu behandeln, hat mich sofort fasziniert. Zur gleichen Zeit habe ich mit einem Freund Pop-up-Dinner organisiert und mich um Desserts und die visuelle Gestaltung des Tisches gekümmert – da begann sich alles zu verbinden.

Sawade: Mit deinem Hintergrund in der bildenden Kunst und im Requisitenbau waren kräftige Farben und expressive Formen schon immer Teil deiner Bildsprache. Was hat sich verändert, als deine Materialien plötzlich Biskuit, Creme und Schokolade statt Stoff und Farbe waren

Stephanie: Für mich sind Kuchen einfach ein weiteres wunderbares Material – und dazu eins, das man am Ende essen kann! Vieles hat sich daher gar nicht so sehr verändert. Ich zeichne immer noch viel, mein Skizzenbuch ist fast immer dabei, und Farben spielen weiterhin eine große Rolle. Auch wenn Cakes Berlin heute ein Unternehmen mit Team und täglichen Abläufen ist, fühlt sich das Entwerfen einer Torte für mich immer noch eher an wie das Planen einer Skulptur als wie das klassische Schichten von Böden und Creme.

Sawade: Du beschreibst Cakes Berlin als einen kreativen Spielplatz. Wie sieht ein typischer Tag im Studio für dich und dein Team aus? Wie gehen Experiment und handwerkliche Struktur im Alltag zusammen? Und welche Rolle spielt Berlin als kultureller und ästhetischer Knotenpunkt?

Stephanie: Ein typischer Tag im Studio beginnt früh: Das Produktionsteam backt, füllt und dekoriert die Torten für die bereits geplanten Bestellungen. Das ist der strukturierte Teil unserer Arbeit. Meine Rolle liegt heute stärker auf der kreativen Seite. Als Gründerin und Kreativdirektorin beschäftige ich mich vor allem mit Konzepten, individuellen Designs und der visuellen Sprache des Studios, gemeinsam mit unserer Studio-Managerin Lisa. Da ich mich gerade langsam auf meinen Mutterschaftsurlaub vorbereite, entsteht ein Großteil der Magie momentan durch das Team, während ich eher beratend begleite. Kreativität ist für mich vor allem eine Haltung. Die Idee des „Spielplatzes“ bedeutet, dass wir uns erlauben zu experimentieren – mit neuen Designs oder saisonalen Geschmacksrichtungen. Dabei lernen wir ständig, was funktioniert und was unsere Kund:innen begeistert.Berlin spielt dabei eine große Rolle: Unsere Kundschaft ist unglaublich vielfältig, von Underground-Künstler:innen bis zu sehr klassischen Feiern. Was alle verbindet, ist ihre Neugier und die Bereitschaft, sich überraschen zu lassen.

Sawade: Schokolade spielt in deinen Kreationen sowohl technisch als auch künstlerisch eine Rolle. Was fasziniert dich an ihr als Material – und spürst du manchmal eine Verbindung zwischen deiner zeitgenössischen Tortenkunst und der langen Tradition des Konditorhandwerks?

Stephanie: Schokolade spielt in unserer Arbeit vor allem geschmacklich eine Rolle. Wir verwenden sie im Inneren der Torten, in Schichten und Füllungen. Visuell konzentriere ich mich stärker auf Texturen, kräftige Farbkombinationen und Bewegung. Tradition ist für mich eher eine Grundlage als etwas, das man kopieren muss. Da ich keinen klassischen Konditorhintergrund habe, betrachte ich Torten eher wie Objekte oder Kompositionen. Mich interessieren Kontraste – etwa natürliche, weiche Formen neben sich wiederholenden Buttercreme-Verzierungen, die fast wie Stoff wirken. Einige Techniken, die wir verwenden, etwa unsere typischen Vintage-Piping-Dekore, stammen zwar aus der traditionellen Tortendekoration. Aber ich mag es, sie in etwas Zeitgenössisches zu übersetzen – oft durch unerwartete Farben oder neue, verspielte Kompositionen.

awade: Deine Torten sind mutig, farbenfroh und voller Persönlichkeit – gleichzeitig erfordern sie Präzision und Geduld. Wie balancierst du spielerische Kreativität mit der Disziplin und Sorgfalt, die echtes Handwerk verlangt?

Stephanie: Für mich ist es immer ein Gleichgewicht zwischen Intuition und Struktur. Ideen für Farben oder Formen entstehen oft sehr spontan und instinktiv, die handwerkliche Umsetzung verlangt dagegen Geduld und Präzision. Dabei helfen klare Abläufe und Systeme im Studio. Gerade beim Backen und bei den Vintage-Piping-Techniken, für die wir bekannt sind, braucht es viel Disziplin. Das Team spielt dabei eine große Rolle: Ich bringe oft den kreativen Impuls oder das Konzept ein, aber die Umsetzung lebt von geübten Händen, Wiederholung und Sorgfalt. Am Ende ist Struktur kein Gegensatz zur Kreativität – sie ist die Grundlage, die den spielerischen Teil überhaupt möglich macht.

Über die Künstlerin

Cakes Berlin wurde 2015 von der französisch-israelischen Künstlerin Stephanie Illouz gegründet. Bevor sie sich ganz der Tortenkunst widmete, arbeitete sie im Bereich der bildenden Kunst sowie im Requisiten- und Bühnenbild – ein Hintergrund, der bis heute ihre visuelle Sprache prägt.

Heute entwickelt sie gemeinsam mit ihrem Team maßgeschneiderte Torten für Geburtstage, Hochzeiten und Firmen-Events. Bekannt ist CakesBerlin vor allem für mutige Farbkombinationen, verspielte Formen und einen sehr experimentellen Umgang mit Materialien und Dekorationen.

Das Studio versteht sich weniger als klassische Konditorei, sondern als kreativen Raum, in dem ständig neue Ideen entstehen. Jede Torte ist dabei eine Einladung, die Grenzen zwischen Handwerk, Design und Kunst ein Stück weiter zu verschieben.


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