Fünf Fragen an Annett Kuhlmann
Sawade: Was macht eure Handschrift aus – und wann ist ein Strauß für dich wirklich gelungen?
Annett: Vor allem das Spiel mit dem Werden und Erblühen. Ich liebe es, wenn Blumen in unterschiedlichen Blühstadien in einem Bouquet zusammenkommen – von der geschlossenen Knospe bis zur voll erblühten Blüte. Denn gerade diese Entwicklung macht einen Strauß lebendig. Eine Blume ist nicht nur in voller Blüte schön, sondern in jeder Phase auf ihre eigene Art. Sie verändert sich, öffnet sich, wird immer üppiger und zeigt dabei ganz unterschiedliche Facetten. Deshalb darf ein Strauß für mich nie nur aus perfekt geöffneten Blüten bestehen. Ich möchte Bewegung und Entwicklung darin sehen.
Sawade: Hinter dieser Leichtigkeit steckt viel handwerkliches Geschick. Was braucht es an Können, Erfahrung und Gespür, das man einem fertigen Arrangement vielleicht gar nicht ansieht?
Annett: Man muss Blumen lesen können: ihre Form, ihren Charakter und vor allem ihre Entwicklung. Dafür braucht es Erfahrung, ein gutes Auge und viel Gespür für Proportionen. Und man muss wissen, wann man aufhören muss. Die eigentliche Kunst ist, dass all dieses Können am Ende unsichtbar wird – und der Strauß leicht und selbstverständlich wirkt.
Sawade: Farben, Formen, Materialien, Jahreszeiten – woher kommt deine Inspiration und was zieht dich gerade besonders an?
Annett: Viel aus der Natur, aber auch sehr stark aus der Kunst. Ich war im Sommer in der Brancusi-Ausstellung in der Neuen Nationalgalerie – und diese skulpturale, reduzierte Formensprache ist bei mir hängen geblieben. Dazu kommen Materialien und Farben, die sich sinnlich anfühlen – Samt, Gold, dunkles Braun.
Sawade: Zu Weihnachten bindet ihr die fantastischsten Adventskränze. Die Weihnachtszeit ist auch die Zeit des Schenkens und Dekorierens. Was darf bei dir in der Vorweihnachtszeit auf keinen Fall fehlen?
Annett: Die Weihnachtszeit darf bei mir durchaus opulent sein. Ich liebe alte Weihnachtsbaumkugeln und diese besonderen Ornamentkugeln, die eine Geschichte haben. Ich habe vor einigen Jahren sogar die private Sammlung eines Antiquitätenhändlers aus Holland übernommen, mit dem ich seit über 30 Jahren zusammenarbeite. Seitdem suchen wir jedes Jahr mit der Familie ein paar neue Kugeln aus und bauen unsere eigene Sammlung und damit auch unsere eigene Weihnachtstradition weiter. Dazu gehören für mich Messing-, Gold- und Holzleuchter, satte Farben, Kerzen und kleine Lichtquellen. Eine große Schale mit Nüssen, eine große Schale mit Pralinen, Orangen mit Nelken gespickt – Dinge, die gut aussehen, duften und zum Genießen einladen. Auf dem Balkon wachsen die Christrosen. Weihnachten ist für mich die Zeit, in der man endlich ein bisschen runterkommt, nach Hause kommt und es gemütlich hat. Zeit für sich, für die Familie und fürs Genießen.
Sawade: Blumensträuße, Adventskränze und Pralinen haben einiges gemeinsam: Sie werden von Hand gemacht, bereiten Freude und sind wunderbare Geschenke. Wenn Marsano eine Sawade Praline wäre – wie würde sie aussehen und schmecken?
Annett: Wenn Marsano eine Sawade-Praline wäre, wäre sie für mich wie eine kleine Schatztruhe: eine leinenbezogene, goldgeprägte Schachtel, innen gold, aber die Pralinen selbst dunkel und schlicht. Beim Reinbeißen kommt erst die knackige dunkle Schokolade, dann ein samtiger Marzipankern. Obenauf liegt ein Stück gefriergetrocknete Orange – säuerlich, fruchtig und knusprig. Dazu vielleicht eine grüne Pistazie oder eine schöne Walnuss. Süß, herb, knackig, schmelzend – und vielleicht mit einem ganz feinen Hauch getrockneter Rosenblüten aus unserem Feld. Eine kleine, üppige Schatztruhe, die alle Sinne anspricht.